Zeitvesting versus Meilensteinbasiertes Vesting

Zeitlich- oder Meilensteinbasiertes Vesting

In einem vorherigen Beitrag haben wir die Vesting Klausel im Allgemeinen vorgestellt und sind dabei auf die unterschiedlichen Ausgestaltungsmöglichkeiten eingegangen. So auch auf den zeitlichen Vestingplan oder den Performance (Meilenstein) basierten Vestingplan.

Vesting Pläne folgen keinen bestimmten Regeln und sind immer individuelle Verhandlungssache. Sei es nun das Vesting für die Gründer oder für ausgegebene ESOP Pools. Oftmals sind die klassischen Vestingpläne in einen vier Jahres Zeitraum unterteilt und nach 25 % der Zeit, also einem Cliff von einem Jahr, werden 25 % der Anteile direkt gevested und die restlichen 75% vesten über drei Jahre in einem monatlichen Intervall. Das nachfolgende Bild zeigt diesen Plan grafisch.

Vesting Schedule Time

Alternativ gibt es auch die Möglichkeit bestimmte Meilensteine basierend auf der Performance der einzelnen Person vorzunehmen. Diese können sehr allgemein gehalten sein und sich auf den finanziellen Erfolg des Unternehmens beziehen oder entsprechend an das Aufgabengebiet der betroffenen Personen angepasst sein.

Doch welcher Ansatz ist jetzt besser?

Zeitvesting

Das Zeitvesting hat einige Vorteile, die es zu betrachten gilt. Für alle Beteiligten ist es sehr einfach zu verstehen und relativ einfach umzusetzen. Ein definierter Zeitraum lässt auch kaum Interpretationsspielraum zu, sollte die Vesting Klausel während des Zeitraums gezogen werden.

Auf der anderen Seite ist bei Start-Ups die „Zeit“ ein sehr schlechtes Messinstrument hinsichtlich der Wertschöpfung und Wertschaffung im Unternehmen. Alle variablen, die internen sowie externen, werden beim Zeitvesting außer Acht gelassen und hart gesagt, müsste man nur die „Zeit absitzen“ und keinerlei messbare Leistung erbringen.

Meilensteinbasiertes Vesting

Um diesen Punkt zu adressieren, gibt es das Performance- oder Meilenstein basierte Vesting. Ein Vesting Plan, der nicht auf der Zeit, sondern auf dem Erreichen fester, definierter Meilensteine basiert.

Auf den ersten Blick klingt das recht simple und führt dazu, dass die entsprechenden Gründer / Mitarbeiter motiviert sind das Ziel schneller zu erreichen. In der Praxis ergeben sich daraus aber gleich mehrerer Probleme.

  • Objektivität von wertschöpfenden Meilensteinen
    Speziell bei Start-Ups sind die wertschöpfenden Prozesse nicht in Stein gemeißelt und können sich mit dem Business Modell sehr schnell ändern. Da Vesting meist in sehr frühen Phasen des Unternehmens festgelegt wird, führt dies zu massiven Unsicherheiten.
  • Ungewisse Zukunft
    Zwar spielt die Ungewissheit über die Zukunft auch im oben angesprochenen Punkt eine Rolle, aber auch nicht wertschöpfende Meilensteine sind davon massiv betroffen.

Zwei Beispiele sollen dies veranschaulichen: Ein Gründer (CTO) erhält vier Meilensteine zu Beginn der Gründung, die sich allesamt an der technischen Roadmap des Unternehmens ausrichten. Ein anderer Gründer (CEO/CFO) erhält einen Meilenstein eine Finanzierungsrunde auf Basis einer 15 Mio. Pre-Money Bewertung abzuschließen.

Zum ersten Beispiel:

Wie realistisch ist es, dass die technische Roadmap des Unternehmens in den nächsten Jahren gleich bleibt? Speziell Kundenfeedback kann hier zu andauernde Verschiebungen führen. Treten diese Verschiebungen ein, stellt sich die Frage, wie nun mit dem bisherigen Vesting umzugehen ist. Wird es angepasst, gleich gelassen oder ganz verworfen.

Natürlich kann man die Meilensteine etwas umfassender definieren, sodass kleinere Änderungen diese nicht betreffen. Allerdings wird der Grad der Objektivierung dadurch auch immer geringer.

Das zweite Beispiel ist hier schon etwas konkreter gefasst. Angenommen das Unternehmen kann einen Deal zu 15 Mio. Pre-Money abschließen muss dafür allerdings eine höhere Liquidationspräferenz gegen sich akzeptieren, als wenn es den Deal zu 10 Mio. Pre-Money abschließt? Sollte hier nun im Interesse des eigenen Vestingplans gehandelt werden?

Fazit

Wie so oft gibt es auch hier kein richtig oder falsch. Meilensteine können dabei helfen Schritt für Schritt Wert innerhalb des Unternehmens zu schaffen und diesen objektiv zu messen. Diese Art der Intensivierung ist auch im Sinne eines der Grundgedanken des Vestings: Insentivierung.

Dennoch ist das Zeitvesting die aktuelle Norm in der Start-Up Welt. Aufgrund der einfacheren Handhabung, sowie dem kaum bis nicht vorhandenen Interpretationsspielraum wird dieser Art der Vorzug gewährt. Letztendlich muss jedes Team es für sich selbst entscheiden, welche Art von Vesting es vereinbart, sich an den Marktstandards zu orientieren kann allerdings nicht so falsch sein.


Dieser Artikel stellt keine Rechtsberatung dar und umfasst nicht vollständig alle möglichen Ausgestaltungen. Ob die Regelungen in Ihrem Fall zutreffen, sollten Sie immer unter zu Hilfenahme von einer professionellen Rechtsberatung diskutieren. Ebenfalls sollten steuerliche Implikationen des Vestings mit einem Steuerberater besprochen werden.
In dem Artikel wird aus Gründen der besseren Lesbarkeit ausschließlich die männliche Form verwendet. Sie bezieht sich auf Personen beiderlei Geschlechts.

Wir beraten Sie gerne

Patrick Hümmer

Geschäftsführer

+49 (0)1575 4463354

Anfrage senden